Dienstag, 13. Mai 2014

Die wunderschöne Welt der Horrorcomics - Teil 1

Wenn ich nicht gerade an meinem aktuellen Roman oder irgendeinem anderen Projekt arbeite, stecke ich mit der Nase in einem Comicheft oder einem Buch, um mich abzulenken und meine Inspiration in Schwung zu bringen. Wie wichtig lesen ist, habe ich hier schon besprochen und bevor ich demnächst ein paar Bücher vorstelle, die mir gut gefallen habe, will ich heute einmal in kurzen Abschnitten auf Horrorcomics eingehen.

Ich bin schon seit meiner Kindheit ein Fan von Comicheften und dem Horrorgenre. Beides zusammen ist für mich wie Pizza mit extra viel Käse. Ich finde es toll, wenn Superheldencomics mit Horror vermischt werden und kann im Bezug darauf die zweite Ghost Rider Serie empfehlen, welche zu Beginn wirklich düster war. Eigentlich nichts für Kids, aber ich hab es damals schon geliebt und erinnere mich noch genau, wie ich das erste Heft der deutschen Ausgabe vom "Geisterreiter" in der Hand hielt. So wurde er von Bastei genannt, als alle Helden und Schurken noch eingedeutscht wurden. Spider-Man war "Die Spinne", die Fantastic Four hießen "Die fantastischen Vier", die Avengers waren natürlich "Die Rächer" und so weiter. Der Hulk wurde sogar mal Halk geschrieben. Kein Witz!

Marvels Ghost Rider, Punisher und die ersten Soloabenteuer von Wolverine waren damals noch Ausnahmefälle, was düstere Comics anging. Die galten schließlich als Kinderkram, tun sie heute noch, aber wer so etwas sagt, hat in den letzten zwanzig oder dreißig Jahren keines dieser Hefte in der Hand gehabt, denn Comics sind immer erwachsener geworden, was Themen, sowie Darstellung von Sex und Gewalt betrifft.  Schließlich wurden sie auch immer teurer und ein arbeitender Mensch kann eher in solch ein Hobby investieren als ein Junge, dem schon auf dem Weg zur Schule das Milchgeld geklaut wird. Bis heute frage ich mich, wie ich damals so viele Serien lesen konnte. Ich glaube, ich habe wirklich jede auf deutsch erscheinende Superheldenserie gelesen...
Jedenfalls ist es schon vorgekommen, dass selbst ich manchmal überrascht war, wie brutal es auf einmal bei Spider-Man, Batman und Co. zuging. Da waren Hefte dabei, welche ich wirklich keinem Kind in die Hände drücken würde. Auch, wenn ich mir als solches schon die Finger nach düsterem Stoff geleckt habe. Den Horror musste ich mir damals in Form von Comicserien wie "Gespenstergeschichten", Spukgeschichten" und der Romanserie "John Sinclair" ins Haus holen.

Vor Jahren bin ich auf die Originale aus Amerika umgestiegen. Sie sind aktueller und es macht mir mehr Spaß sie zu lesen. Dank dem Internet kriegt man dauernd Spoiler um die Ohren gehauen, was den Spaß am lesen deutscher Ausgaben irgendwie zunichte macht. Hinzu kommen die Übersetzung und die Tatsache, dass einige Serien hier gar nicht oder viel später erscheinen.

Genug getratscht. Ich wollte ja eigentlich über Serien schreiben und euch nicht mit meiner Lebensgeschichte langweilen. Für alle, die bis hier hin noch nicht abgesprungen sind, kommen jetzt ein paar Comics, die ich wärmstens empfehlen kann. Ich schreibe auch dazu, bei welchem Verlag die deutsche Übersetzung erscheint, falls es eine gibt. Damit der Text aber nicht noch länger wird, ich nicht zu viel verrate und ihr noch heute oder morgen aufgeregt in den nächsten Bahnhofskiosk rennt um zu schreien: "Gebt mir Comics oder den Tod!", halte ich mich mit der Inhaltsangabe kurz.

The remains: (Monkeybrain Comics. Deutsche Übersetzung: Bisher keine.)
Hätte mir jemand gesagt, dass diese Miniserie von Stephen King geschrieben wird, ich hätte ihm geglaubt. Tatsächlich steckt aber Cullen Bunn dahinter, welcher inzwischen eine ganze Menge Serien schreibt und hier ein echtes Meisterwerk abliefert. Bisher sind nur zwei Ausgaben erschienen, aber ich kann die nächsten kaum abwarten. Es geht um eine Familie auf einer Farm in den USA. Der Vater hat Rheuma, die Mutter ist mit dem dritten Kind schwanger und die zwei Töchter sind noch zu klein, um die ganze Arbeit zu übernehmen. Eines Tages kommt ein Fremder, welcher sich für ein Dach über dem Kopf und etwas Essen als Hilfe anbietet. Allerdings hat er auch ein beunruhigendes Interesse an den zwei Mädchen und seit dem er da ist, kommt es zu Zwischenfällen wie Ratten, die gerade erst erschlagen wurden und wieder zum Leben erwachen. Wer jetzt die Augen verdreht und denkt: "Noch ein Zombiecomic!", sollte sich erst recht diese Serie ansehen, denn sie ist völlig anders als erwartet. Der Schwerpunkt liegt auf den Charakteren und der Handlung. Es gibt keine Invasion oder etwas in der Art. Außer den zwei Mädchen und dem Neuankömmling bekommt niemand etwas von der Sache mit. Und letzterer scheint damit überraschend gut klar zu kommen. Hier wird wirklich noch auf Atmosphäre und Spannung gesetzt. Erhältlich ist die Serie im Moment nur digital.

Crossed: (Avatar Press. Deutsche Übersetzung: Panini Deutschland.)
 Wie Cullen Bunn ist auch Garth Ennis ein Vielschreiber und inzwischen ein großer Name im Comicgeschäft. Seine Serie "Preacher" ist längst Kult, jeder Autor, welcher nach ihm den "Punisher" geschrieben hat, richtet sich mehr oder weniger nach seiner Stilrichtung. Ennis ist bekannt für Gewalt und krassen Humor, aber er sollte nicht darauf reduziert werden, denn er ist ein verdammt guter Autor.
Crossed ist definitiv ein Comic für Erwachsene, denn hier geht es hammerhart zur Sache. Stellt euch "28 days later"... Oder noch besser das blutige Sequel "28 weeks later" auf LSD vor und ihr habt "Crossed". Infizierte Menschen schnetzeln und metzeln sich durch die Gegend, was das Zeug hält. Zu Beginn noch als Klon von "The walking dead" belächelt, ist die Serie inzwischen vollkommen eigenständig und besonders deswegen so innovativ und spannend, weil alle Autoren und Zeichner nur für ein paar Hefte bleiben, in denen sie ihre abgeschlossenen Geschichten erzählen. So weiß der Leser nie, wie es ausgeht, während wir in monatlichen Serien wie Spider-Man und Co. schon vor dem Kauf ahnen können, dass der Held gewinnt. Hier muss es nicht immer ein Happy End geben. Ehrlich gesagt ist das sogar selten der Fall. Ab und an kehrt ein Autor zurück, schreibt eine neue Geschichte mit neuen Gesichtern. Was die Serie eben so besonders macht, ist die Vielfalt an Stilen und Ideen. Für mich eine der besten dort draußen. Aber wirklich nur für Fans von Splatter zu empfehlen, denn "Crossed" ist mit Abstand auch eine der brutalsten Serien. 

Zum Abschluss des ersten Teils von "Die wunderschöne Welt der Horrorcomics" noch eine Mischung aus Superhelden und Horror. Kennt ihr den Film "Das Ding aus dem Sumpf"? Manch einer nannte so früher seinen Mathelehrer, aber tatsächlich ist dies ein Streifen, der auf einer wirklich guten Serie beruht.

Swamp Thing: (DC. Deutsche Übersetzung: Panini Deutschland.)
Alec Holland experimentiert in einem Labor im Sumpf an einer Mischung aus tierischer und menschlicher Synthese, doch ein paar finstere Gestalten wollen diese Arbeit für sich haben. Bei einem Handgemenge kommt es zu einem Unfall, Holland stürzt brennend in den Sumpf und gilt als tot. Tatsächlich mutiert er zu der Kreatur Swamp Thing. In den 70er Jahren wurde die Serie von Len Wein geschrieben und tauchte zum ersten Mal in der Serie "House of mystery" auf. Bald schon hatte sie eine eigene monatliche Serie, in der Swamp Thing gegen andere Wesen kämpfte, verfolgt von einem Freund Hollands, der das Wesen für einen brutalen Mörder hielt. Absoluter Kult ist die Serie "Saga of the Swamp Thing" von Allan Moore, welcher auch "Watchmen", "From hell" und andere Kultcomics schrieb. 
Vor etwas mehr als zwei Jahren unterzog der Verlag DC all seine Serien einem Reboot und startete sie mit einer neuen #1 neu. Dabei entstanden auch viele neue Serien und solche, die lange von der Bildfläche verschwunden waren, kehrten zurück. So auch Swamp Thing, diesmal von Scott Snyder geschrieben, der sich mit seiner eigenen Serie "American Vampire", sowie seiner wirklich brutaldüsteren Version von  Batman in "Detective Comics" einen Namen gemacht hatte.
Sein Swamp Thing ignoriert die alten Hefte nicht und greift altbekannte Elemente erfrischend neu auf. Dabei geht es knallhart zur Sache. Ich bin ja einiges gewohnt, aber was Swampys Gegenspieler in der ersten Storyline, ein Junge, der totes Gewebe kontrollieren kann, hier anstellt... Lest das Comic nicht beim Frühstück, okay? Und versucht nicht daran zu denken, dass jeder von uns etwas totes Gewebe, wie einen toten Zahn mit sich herumträgt. Diese Szenen kriege ich nie wieder aus dem Kopf...
Zu Beginn ist das Comic teilweise sehr psychedelisch gezeichnet, was die Atmosphäre hervorragend unterstreicht. Inzwischen sitzt Charles Soule im Autorenstuhl und auch dieser konnte mich bisher überzeugen. Absolut zu empfehlen sind aber auch die alten Hefte von Len Wein.
Der Ton ist sehr düster gehalten und die Comics sind wirklich sauspannend.

Beim nächsten Mal gehe ich auf weitere Serien ein.

Bis dahin!
 

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