Freitag, 6. Juni 2014

Die wunderschöne Welt der Horrorcomics - Teil 3

Wieder mal habe ich ein paar interessante Comics zum vorstellen und weil es diesmal so viele sind, fange ich besser gleich mit einem Titel an, mit dem ich schon sehr positive Erfahrungen sammeln konnte. (Da die hier besprochenen Titel noch nicht in Deutscheland erschienen sind, schreibe ich nur die amerikanischen Herausgeber hinter die Titel, anstatt jedes Mal darauf hinzuweisen.)

Hellraiser: (Boom)
Der Titel sagt euch was, oder? Ich denke, jeder Horrorfan kennt das Nadelkissen auf zwei Beinen, welches von Fans liebevoll Pinhead getauft wurde, aber ursprünglich Priest hieß. Hellraiser-Schöpfer Clive Barker verwendet in der ausgezeichneten Comicserie auch wieder den eigentlichen Namen seiner Figur. Richtig gelesen. Hier legte der Meister noch selber Hand an und schrieb eine grandiose, wirklich spannende Fortsetzung, welche besonders Fans der ersten zwei Filme gefallen dürfte. In jenen ging es darum, dass Wesen aus der Hölle, sogenannte Zenobiten, durch ein Artefakt hervorgerufen auf der Erde erscheinen und Forschungen in Sachen menschliches Leid anstellen. Im ersten Teil, bei dem Barker auch Regie führte, entkam ihnen eines ihrer Opfer und brauchte menschliches Blut, um wieder völlog genesen zu können. Im zweiten war die Heldin Kirsty des ersten Teils in der Irrenanstalt eingeliefert worden, jedoch blieben ihr die Zenobiten dicht auf den Fersen. Die Handlung der Comics: Mit Hilfe mehrerer Menschen, die schon Erfahrung mit den Zenobiten haben, nimmt Kirsty den Kampf gegen die Wesen auf, jedoch kommt es dabei zu vielen überraschenden Wendungen. Auch bekommt der Leser einen ganz neuen Blickwinkel auf die Zenobiten geboten und (Achtung! Spoiler!), wenn Pinhead und Kirsty plötzlich die Rollen tauschen, wird es richtig interessant. Leider folgte auf diese tolle Serie ein schwacher Nachfolger mit dem Titel "The dark watch". Ein Pinhead-Klon mit Monokel, der labert wie Spider-Man? Man merkte, dass Barker plötzlich nicht mehr selber die Feder schwang und diese Serie kann ich wirklich nicht empfehlen.
Ab August erscheint dann die neue Miniserie "Bestiary". Vielleicht kann diese wieder überzeugen. Wenn ihr auf den Titel klickt, führt euch der Link zu einer Seite, auf welcher ihr euch einen Eindruck von den Titelbildern machen könnt.


Afterlife with Archie: (Archie Comics)
Inwiefern die Leute hierzulande mit Archie vertraut sind, kann ich nicht sagen. Die Figur existiert seit 1941 und wirkt praktisch wie ein Peter Parker ohne Superkräfte. Ein Teenager mit Mädchenproblemen, oft knapp bei Kasse und dauernd in Schwierigkeiten. Mit den Jahren gab es lauter Spin-Off Serien und die Figur "Sabrina" bekam sogar eine eigene Realserie. Ja, genau. Es handelt sich dabei um die blonde Hexe, gespielt von Melissa Joan Hart.
Hierbei handelt es sich um Comics, die für Kinder, wie auch Jugendliche und Erwachsene geeignet sind. Als die Serie "Afterlife with Archie" angekündigt wurde und es hieß, dass es darin um Zombies gehen soll, gab es erst einmal Hohn und Spott. Keiner glaubte an einen Erfolg, die meisten eher an einen Aprilscherz.
Bis die erste Ausgabe kam. Roberto Aguirre-Sacasa schreibt eine überraschend düstere Horrorserie, die wirklich nichts für Kinder ist. Hinzu kommen die genialen Zeichnungen von Francesco Francavilla. Inzwischen wird die Serie mit guten Kritiken überhäuft und ist ein Muss für Fans guter Horrorcomics. Von Vorteil dürfte es sein, sich mit den Figuren auszukennen, denn so hat der Leser schneller einen Bezug zu ihnen. Sollte man jedoch noch nie ein Heft von "Archie" in den Händen gehalten haben (Das einzige, welches ich besitze ist "Archie meets The Punisher"... Ja, das gibt es wirklich!), kann man immer noch den tollen Erzählstil und die grandiosen Bilder bewundern.
Dank des Erfolgs wurde nun auch eine weitere Horrorserie aus dem Hause Archie angekündigt und die klingt sogar einen Ticken interessanter: "Chilling adventures of Sabrina" ist in den 60ern angesiedelt und erzählt von der Teenagerhexe, die ihre Kräfte entdeckt und in ihren Abenteuern auf Gleichgesinnte, wie andere Wesen trifft. Auch hier lohnt sich ein Blick auf die Cover, welche bereits beste Horrorunterhaltung versprechen.

The other dead: (IDW)
Und wieder ein Zombiecomic, das sich positiv von der Masse abhebt. In einer sechsteiligen Miniserie erzählt "The other dead" davon, was passiert wenn Tiere von den Toten auferstehen und wirkt damit frischer und unverbrauchter als viele andere Zombietitel. Denn Tiere gibt es in allerlei Größen, wodurch sie in Häuser eindringen können, welche den Menschen bereits unzugänglich gemacht wurden. Untote Vögel, können von oben angreifen und so weiter und sofort.
Die Story mag simpel wirken, ist aber spannend erzählt. Ein paar junge Männer verhauen sich bei einer Beschwörung und erwecken damit die toten Tiere zum Leben. Bis hier hin verläuft es wie eine richtig gute Horrorserie. Als dann aber Präsident Obama eine der Hauptrollen spielt und sich mit Überlebenden durch Horden von Wildtieren, Hunden und Krokodilen schlägt, bekommt es einen leichten Trashfaktor, was dem Spaß keinen Abbruch tut.
Zu Beginn wirkt die Geschichte noch richtig bedrohlich und bietet tolle Horrorstimmung, doch ab der Hälfte wird stark auf Action gesetzt. Eigentlich nicht weiter schlimm, aber es hätte noch viel besser sein können, wenn das Autorenteam Joshua Ortega und Digger T. Mesch ihren Stil beibehalten hätten. Die Zeichnungen von Quing Ping Mui (Ich denke mir diese Namen wirklich nicht aus!) sind allerdings ein wahrer Augenschmaus. Was etwas auf der Strecke bleibt sind die Charaktere. Da wäre noch viel mehr drin gewesen, hätten die Autoren mehr Wert auf ihre Entwicklungen und das Zwischenmenschliche gelegt. So bleibt eine sehr gute erste Hälfte und eine zweite, die immer noch Spaß macht. Das Ende mag dann etwas plötzlich wirken, jedoch wird im letzten Heft auch eine Fortsetzung für Herbst 2014 angekündigt und das Schlussbild sorgt dabei für leichtes Schmunzeln.

Chaos: (Dynamite)
Stellt euch vor, ihr betretet einen Raum, in dem ihr niemanden kennt und alle sich über Dinge unterhalten, die ihr nur zur Hälfte versteht. So ungefähr dürfte es Leuten gehen, die noch nie etwas mit Chaos! Comics zu tun hatten. In den 90er Jahren waren sie mit ihren Horrorhelden recht erfolgreich, mussten dann aber Insolvenz anmelden und inzwischen liegen die Rechte an den Figuren bei Dynamite. Nur der Charakter Lady Death gehört Boundless Comics und kann nicht verwendet werden. Ansonsten sind die großen Namen bereits in der ersten Ausgabe einer sechsteiligen Miniserie vereint. Und obwohl ich damals fast alles von Chaos! gelesen habe, fiel mir der Einstieg schwer.  Als kompletter Neuling dürfte man es noch schwerer haben und hier zu erklären, wer all die Figuren sind, würde auch den Rahmen sprengen, deswegen versuche ich mich kurz und knapp zu fassen: Der lebende Tote Evil Ernie will die Menschheit vernichten und eine Gruppe Jugendlicher mit dämonischen Kräften, welche eigentlich hinter einer Vampirgöttin her waren, versucht ihn aufhalten. Jetzt könnte ich noch die Vampirgöttin Purgatoy und die Blutsaugerin Chastity erwähnen, welche ebenfalls zu den alten Recken gehören, aber deren Rollen sind mir noch nicht ganz klar. Wie gesagt, das Heft ist recht verwirrend. Ob man sich nun mit den Figuren auskennt oder nicht. Als Altfan denke darüber nach, mir das Paperback mit der gesamten Miniserie zu holen, wenn es erscheint. Andererseits fühle ich mich etwas zu alt für ein kunterbuntes Horrorcomic, das scheinbar für Teenager konzipiert ist. Geschrieben wird dieses Chaos von Tim "Hack/Slash" Seeley und gezeichnet von Mirka Andolfo.

Vampirella: (Dynamite)
Vampirella ist diese Comicserie, die man nicht in der Öffentlichkeit lesen möchte. Sei es wegen dem etwas schusseligen Namen oder wegen der Titelheldin, welche aussieht, als hätte sie sich Borats Badeanzug in rot gekauft. Dahinter verbirgt sich jedoch eine langlebige Horrorserie um eine Vampirin vom Planeten Drakulon, wo (In der Ursprungsgeschichte) das Blut knapp wurde. Nachdem ein Raumschiff der Erde auf Drakulon abstürzt und Vampirella in den Adern des Piloten Blut entdeckt, reist sie zu unserem allseits beliebtem Heimatplaneten, wo sie jedoch als "guter" Vampir gegen andere Monster kämpft.
Klingt verrückt? Kein Wunder. Die Figur wurde 1969 von Forest J. Ackerman für Harris Comics ins Leben gerufen. LSD war damals im kommen, eine Band namens Earth benannte sich in Black Sabbath um und die Manson-Familie tötete Sharon Tate. Vampirellas verrückte Geschichte passt also perfekt in die Zeit, in welcher bewusstseinerweiternde Drogen und düstere Themen in waren.
Bisher bin ich nicht wirklich mit ihr warm geworden. Es gab ganz nette Ausgaben, aber wirklich gepackt hat mich die Serie nie. Bis jetzt! Dynamite veröffentlicht Vampi schon seit ein paar Jahren, startete jetzt aber mit einer neuen Nummer 1, geschrieben von der Horrorautorin Nancy A. Collins, deren Erstausgabe düster, spannend und voller unerwarteter Wendungen ist. Wie schon bei "Chaos" (Wozu es hier anscheinend einen leichten Bezug gibt, wenn man genau hinsieht...) braucht man gewisse Vorkenntnisse, aber ich bin auch nicht wirklich mit Vampi vertraut und wurde bestens unterhalten. Eigentlich wollte ich nur einen Blick riskieren, bin jetzt aber gespannt wie es weiter geht, mit der Heldin, dem Orden des Chaos (Nur einer, der erkennbaren Bezüge!) und Vampis Feinden. Tatsächlich möchte ich hier gar nicht zu viel verraten, deswegen nur eine knappe Inhaltsangabe: Vampirella arbeitet inzwischen im Auftrag des Vatikan und soll ein entführtes Mädchen befreien, doch es läuft alles anders als gedacht und am Ende steckt unsere Heldin in ernsthaften Schwierigkeiten, als eine alte Gottheit droht, ihren Körper als Gefäß zu verwenden und Freunde plötzlich zu Feinden werden.

Puh, das war eine Menge Input. Weil es aber noch weitere interessante Titel gibt, die ich vorstellen möchte, welche jedoch nicht unbedingt im Horrorgenre spielen, komme ich bald mit einem weiteren Beitrag um die Ecke und stelle ein paar Comics vor, die sich nicht so einfach in eine Schublade stecken lassen. So sehr ich Superhelden auch mag, sie kriegen schon genug Aufmerksamkeit. Auf diesem Blog möchte ich immer wieder einen Blick über den Tellerrand wagen. Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht und vielleicht haltet ihr nach der einen oder anderen Serie Ausschau.

Bis dahin,

 Thomas. 

Kommentare:

  1. In Vampirella würde ich gerne mal reinlesen :-)

    AntwortenLöschen
  2. Sehr wohl, Madame! Freut mich, dass ich Ihnen eines der Hefte schmackhaft machen konnte.

    AntwortenLöschen